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Der größte Fehler? Nicht zu helfen!

Wie eine gelungene Zusammenarbeit von Notfalldarstellung und SSD das Selbstbewusstsein der Schüler*innen stärken kann. Ein Bericht über die Kooperation mit der Karla-Raveh-Gesamtschule des Kreises Lippe in Lemgo

Eine Platzwunde am Kopf, 
Ein gebrochenes Handgelenk,
Und eine Glasscherbe, die in einem Arm steckt ...

für die meisten Lehrkräfte ist das die Horrorvorstellung einer Klassenfahrt. Michael Bosse, der an der Karla-Raveh-Gesamtschule des Kreises Lippe in Lemgo den Schulsanitätsdienst leitet und auch Erste-Hilfe-Ausbilder ist, sieht das etwas differenzierter. So lange es sich um Kunstblut und geschminkte Verletzungen handelt, ist er Feuer und Flamme.

Und so kommt es, dass er Anfang September mit einer siebten Klasse im Münsteraner Jugendgästehaus am Aasee im Stuhlkreis sitzt und Nicola Rickmann, die seit Jahren ehrenamtlich die Notfalldarstellung im KV Coesfeld leitet, ihren großen Koffer mit hochwertiger Theaterschminke auspacken lässt. Eine Gruppe Schülerinnen hat sich im Vorfeld des Seminars ein Szenario mit einem aus dem Ruder gelaufenen Streit ausgedacht: Eine Platzwunde am Kopf, ein gebrochenes Handgelenk und eine Glasscherbe, die in einem Arm steckt – täuschend echt geschminkt von der ND-Referentin.

Nun probieren die Jugendlichen aus, was Notfalldarsteller*innen des JRK regelmäßig tun, um Notfallsanitäter*innen, Feuerwehr und Ärzt*innen auszubilden: Sie versetzen sich in die Rolle der Verletzten hinein und mimen diese Verletzungen für eine Gruppe von Mitschüler*innen, die später hereinkommt und helfen soll. Das ist gar nicht so einfach. Berührungsängste, die Schauspielerei und dann hatten die meisten Jugendlichen noch nicht einmal einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert. Aber eines ist Nicola Rickmann und Michael Bosse besonders wichtig:

Vor Erster Hilfe sollten auch Anfänger nicht zurückschrecken. Jede Hilfe ist besser als keine Hilfe.

„In der Schule geht es so oft um Fehler. Der größte Fehler wäre aber, nicht zu helfen!“, sagt Michael Bosse. Zum Schluss wollen alle Jugendlichen noch einmal sehen, wie eine Verletzung geschminkt wird. Diesmal wird eine tiefe Wunde an der Hand gewünscht.

Für Nicola Rickmann kein Problem: In Windeseile modelliert, pudert und malt sie einem lächelnden Schüler eine Verletzung auf die Haut, die so gar nicht zum Lachen aussieht und die stolz in der Klasse herumgezeigt wird. Dabei betont die ND-Referentin: Geschminkte Verletzungen sind nur zu Übungszwecken da. Man darf mit ihnen nicht in der Öffentlichkeit herumlaufen, sonst wählen unbeteiligte couragierte Mitmenschen den Notruf und es entstehen schnell Kosten, für die man selbst aufkommen muss. Außerdem können Personen, die kein Blut sehen können oder auch traumatisiert sind, unter dem Anblick leiden. Vielleicht haben die Konfrontation mit der Situation und die lebensecht geschminkten Verletzungen einige Jugendliche motiviert, an der schulinternen Erste-Hilfe-Ausbildung für siebte Klassen teilzunehmen und sich im Anschluss daran als Schulsanitäter*innen für ein sicheres Miteinander in der Schule einzusetzen.

Das JRK freut sich über die Zusammenarbeit mit engagierten Lehrkräften und bietet die Unterstützung durch Notfalldarstellung zu Übungszwecken gern SSD-Gruppen an. Informiert euch bei eurem Kreisverband oder wendet euch an den Landesverband, wenn eure Schule daran Interesse hat.

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